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Fluglärm

Der Flughafen und sein Lärm...


Im Hafen ist es für Offenbacher Verhältnisse ruhig

Das nördliche Nordend und der Hafen sind in Sachen Fluglärm unter den ruhigsten Zonen in Offenbach. Während die Innenstadt und fast alle restlichen Bezirke unter den Überflügen im oftmals 90-sekündigem Takt leiden, kommt dem Hafen zugute, dass er nördlich der Einflugschneisen liegt und dass die Betriebsrichtung Ost selten praktiziert wird. Für diesen Bereich der Stadt sieht es passabel aus. Für den Rest nicht. Die Inseln relativer Ruhe sind für die Stadtentwicklung zu klein - wir befürchten eine Veränderung der Sozialstruktur.


Wir sind nicht gegen den Flughafen

Ohne den Flughafen wäre, wie viele andere Klubs, Art Spaces und Kulturzentren der Region, auch der Hafen 2 ein anderer. Viele internationale Bands spielen eigentlich nur die "Medienstädte" Deutschlands und fügen Frankfurt (/Offenbach...) hinzu weil von hier ihr Überseeflug geht. So mancher US-amerikanische DJ wäre unerschwinglich, wenn zu den Flightshare-Kosten noch ein Überland-Transfer zu organisieren wäre. Und es gilt auch für das Ausstellungsprojekt: wie praktisch, dass hier viele Künstler landen, weil sie eben in Frankfurt landeten.

Abgesehen von diesem unmittelbaren Nutznießen des Standorts profitiert unsere kulturelle Arbeit auch generell durch die globale Mobilität - da ein selbstverständlicher künstlerischer Austausch über Ozeane hinweg stattfindet. Inspiration und kultureller Input aus anderen Kontinenten ist trotz Internet letztlich nur dann nachhaltig, wenn tatsächliches Aufeinandertreffen der Menschen geschieht. Evidente Beispiele sind für uns Project M, bei dem Kunststudierende aus aller Welt zu einem Kreativ-Camp im Hafen zusammenkamen, und sicherlich auch das Filmfestival "Urban Africa", das ohne Flugreisen kaum denkbar erscheint.

Wie unschön, dass der Flugverkehr die Umwelt derart belastet. Weil das so ist, akzeptieren wir für akzeptable Entfernungen für die Reisen von Künstlern, Bands, DJs nur die Bahn. Aber manchmal muss es halt einfach eine Band aus Island sein.

Zu dumm, dass nun der Flughafen spätestens seit der Inbetriebnahme der neuen Landebahn nicht mehr in sein Kleid "Rhein Main Region" passt: sein Lärm belastet zu viele Menschen in unerträglicher Weise. Schon jetzt, lange bevor die durch die Kapazitäterweiterung ermöglichten Steigerungsraten der Flugbewegungen überhaupt relevant werden.



Die Nordbahn ist ein Fehler

Um das zu erkennen, reicht es, einige Monate in Offenbach zu wohnen (nicht zu arbeiten, sondern zu wohnen). 80 Prozent des Stadtgebietes sind nun während der zu mindestens 70 Prozent angewandten Betriebsrichtung West 18 Stunden am Tag unter einem Fluglärmteppich. Morgens um kurz vor fünf befällt uns die unmittelbare und nachhaltige Gewissheit: das tut sich kein Mensch freiwillig an. Zumindest nicht lange. Wenn es für Schallschutzfenster Geld gäbe, möchten wir noch zusätzliches Geld hierfür: Geräusche wie Wind, Regen, Vogelgezwitscher, das Palaver der Nachbarn, das Gelächter spielender Kinder im Hof werden dank eines intelligenten PC-Programms in die Wohnung eingespielt. Hallo?

Die soziale Erosion der Stadt wird sich nicht schnell vollziehen. Sie wird verzögert durch die Wohnungsnot und die für viele unerschwinglichen Mieten in den leisen Frankfurter Stadtteilen. Und leicht ist es ohnehin nicht, wegzuziehen: wie schwierig ist das Aufgeben vertrauter sozialer Strukturen - Nachbarschaft, Freunde, Schule, Kindergarten. Somit wird sich der Wandel der Bevölkerungsstruktur schleichend vollziehen, aber letztlich wird gelten: "Die einen können nicht weg, die anderen müssen nicht hin". 

Man gewöhnt sich dran? Sicher. Man würde sich auch daran gewöhnen, jeden Morgen eine saftige Backpfeiffe verabreicht zu bekommen. Lebensqualität sieht anders aus. Wenn es eine diesbezügliche Gewöhnung gibt, ist sie leider zu nichts nütze.

Die Flughafenerweiterung ein Job-Motor? Wir behaupten das Gegenteil. Und wenn sie es wäre - es wäre unerheblich. Fluglärm macht krank. Es kann keine Arbeitsplätze geben, die auf der Ausbeutung der Gesundheit der Bevölkerung einer ganzen Großstadt basieren. Und die eingangs beschriebene Befruchtung der Kulturszene durch internationalen Austausch ist plötzlich wertlos.

22 bis 6 Uhr Ruhe und eine verbindliche Lärmobergrenze - das ist das Mindeste. Sonst trocknet Offenbach aus. Kulturell, sozial, ökonomisch.

Kinder schlafen nicht nur von 23 bis fünf Uhr.

Der soziale Frieden einer Region steht auf dem Spiel.

Wäre der Fluglärm geringer, stünde Offenbach nicht zuletzt aufgrund seiner Kreativ-Szene eine blühende Zukunft bevor. 

Informationen zu den montäglichen Demonstrationen am Flughafen: bil-of