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Kunst

KUNST IM HAFEN 2

27. Oktober

Was vor zehn Jahren unter dem Namen interim.projekte als Zwischenlösung im Lokschuppen begann, wird nun Kunst im Hafen 2 und bekommt einen eigenen Raum: den Kamelwagen. Dieser war bisher nur die Projektionsfläche des Open Air Kinos und wird jetzt Ausstellungsort: zehn mal drei mal zweieinhalb Meter. Weiße Wände. Tageslicht.
 
Im Jahr 2004 von Andreas Gärtner und Andrea Weiß initiiert, bot interim.projekte jungen Künstler, die sich zwischen Hochschule und etablierter Galerie oder Kunstinstitution befinden, eine Plattform für Ausstellungen und Vermittlung ihrer Arbeiten. Diese Tradition setzen wir am neuen Ort fort. Bereits seit Mai zeigen wir im Hafen 2 Arbeiten von sternmorgenstern, Benedikte Bjerre und John Skoog. Diese Dauerausstellung ergänzen wir endlich um einen eigenen Ort für mehr Kunst: Filme, Installationen, Performances.
 
Von nun an Wechselausstellungen in lockerer Folge im Kamelwagen. Los geht es am Sonntag, den 27. Oktober: Kamelwagen Enthüllung und Ausstellungseröffnung Kamelwagen 01 um 15 Uhr. Ebenfalls an diesem Tag stellt Hortense Pisano ihr Buch zur Ausstellungsreihe Reihe words&sounds vor, die sie in der Galerie des alten Hafen 2 kuratiert hatte. Mitsamt Musik - Konzert von Susie Asado und DJ-Set von botTM.

kamelwagen 02 - Ericson Krüger


(Freitag 28. Februar bis Sonntag 27. April 2014)
 
„Die Wörter“, 2004-2005 (Kamelwagen) 
„Die Wörter“ ist eine Sammlung von über 700 selbstverfassten Aphorismen und gesampelten Sprüchen. Ericson Krüger konfrontiert den Betrachter mit einer scheinbar ungeordneten Abfolge seiner Gedanken im Kontext philosophischer Fragestellungen und alltäglicher Weisheiten, die aus nur wenigen Wörtern oder kurzen Formulierungen bestehen. In Form einer seriellen Abfolge umfasst die Arbeit die gesamten Wandflächen und verschmilzt mit der ortspezifischen Architektur des Kunstraumes, einem ehemaligen Kamelwagen, der eigens zur Nutzung als Kunstraum des Hafen 2 umgebaut wurde. Krüger setzt den Betrachter seinen Ideen und Vorstellungen in Form eines philosophischen Gedankenstroms aus, der geschickt zwischen Tiefgründigem und (scheinbar) Banalem changiert. Wo dieser Gedankenfluss beginnt und wo er endet, kann kaum ausgemacht werden. Der Betrachter taucht darin ein und ist durch die Wortspiele aufgefordert die Sprache, ihre Bedeutung für das Denken im und über den Alltag des menschlichen Lebens, die Möglichkeiten ihrer Ausdruckskraft und die Folgen ihrer Veränderbarkeit genauer in den Blick zu nehmen. „ich weiß was ich tue, und tue es trotzdem“ 
 
„Die Wörter“, 2009 (Video, Café) 
Bei den Sätzen handelt es sich um eine Auswahl aus über 700, von Krüger selbst verfassten und gesampelten Texten, die sich meist mit philosophischen Themen befassen. Jedes der Kinder wählte hieraus für sich selbst zwei bis vier Sätze aus. Gesprochen werden Sätze wie: „Meine Seele hat Kanäle“, „Der Zugang ist kein Eingang“, „Gegensätze messen sich nicht“, „Am Anfang ist die Erleuchtung“, „Mein Labyrinth ist größer als deins“, „Glücklich geben“, „Der Einsame ist engagiert“, „Das Gras wird von Wind gesteuert“, „Familie gleich Welt“, „Das Gewissen ist tradiert“, „Die Natur denkt“, “Die Wahrheit wertet nicht“, „Gegensätze messen sich nicht“ etc.. Einige Kinder texteten ausserdem spontan eigene Sätze wie z.B. „Irrtum lenkt“ oder „Wenn du mitfliegst flieg ich auch mit“. 
 
Ericson Krüger wurde 1974 in Manila/Philippinen geboren und lebt seit 1985 in Deutschland. Er studierte 2003/2004 an der Städelschule bei Prof. Thomas Bayrle unschloss im Mai 2009 sein Studium der Visuellen Kommunikation, Kunst bei Prof. Heiner Blum und Soziologie bei Prof. Hans-Peter Niebuhr, an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach ab. 2006 war Krüger mit der Einzelausstellung „niemand ist niemals“ in der Ausstellungsreihe interim.projekte im Hafen 2 vertreten.

kamelwagen 01 - Benedikte Bjerre

 
Der neue Kunstraum, der Kamelwagen, erfuhr eine ganz eigene Behandlung durch die Künstlerin: Sie ließ ihn unbespielt, um seine Wirkung und sein Potential als Raum zu zeigen und zu betonen. Dies verdeutlicht, was den Hafen 2 auch am neuen Standort ausmacht: Kleine Veränderungen und Improvisationen finden fast täglich statt. Diese Eigenschaft durchdringt Konzeption und Idee des Kulturzentrums am Mainufer, lässt es wachsen und gedeihen und verleiht ihm seine vielen verschiedenen Facetten.

Benedikte Bjerre
"Eggs", 2013, Installation  aus Neonröhren auf der Insel
Eggs befindet sich auf der kleinen Insel vor den Ufern des Geländes. Die Besonderheit: Die Insel ist 2013 künstlich entstanden als ein Fischlaicharm als ökologisches Projekt angelegt wurde. Die Idee der Erneuerung und des Wachstums wird bildlich in der Lichtinstallation verdeutlicht, die Benedikte Bjerre auf der Insel montiert hat: Drei leuchtende Eier in Rot, Blau und Grün.
 
"Trucks", 2013, Film
Den Kamelwagen greift Bjerre in ihrem Film: „Trucks“ auf. Um 5 Uhr morgens früh auf der A5 von Nord nach Süd Richtung Frankfurt aus dem Auto herausgefilmt. Der alltägliche Gütertransport auf der Achse von Skandinavien nach Italien. Eine endlose Schlange von LKWs. Bis vor kurzem war der Kamelwagen noch Teil dieser Transportkette.
 

Benedikte Bjerre, 1987 in Kopenhagen (Dänemark) geboren, studiert seit 2009 in der Klasse von Simon Starling an der Städelschule. Ein Studium der Soziologie an der Universität Kopenhagen schloss sie 2011 als Bachelor ab. Sie ist Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes und wurde 2012 mit dem Stylepark-Preis des Städelschulrundgangs ausgezeichnet.

Dauerinstallation

 

 
sternmorgenstern
sternmorgenstern experimentieren mit Raum. Sie agieren als Grenzgänger zwischen Skulptur, Zeichnung und Video und ihre interdisziplinären Installationen sind Eingriffe in die konventionelle Nutzung von Raum. Das Interesse der Künstler gilt den temporären und wandelbaren Prozessen im urbanen Kontext. Für den neuen Hafen 2 sind ephemere Gebilde entstanden, die sich über das westliche Anwesen erstrecken und es sich zu eigen machen. Skizzenhafte Konstruktionen lenken den Blick des Betrachters und verweisen auf konstruktive Muster und Strukturen der Architektur. Der Eingriff in die konventionelle Nutzung des Geländes erzeugt Störung und Raumnahme zugleich. Das Material bleibt in seiner Beschaffenheit unvollkommen und dient als Katalysator zur Materialisierung der Ideen. Zwischen Architektur und Skulptur, dem realen und fiktiven wird experimentell geforscht. Eine Videoinstallation transportiert die Situation in das Innere des Gebäudes und produziert ihre ganz eigene Raumstörung.
 

raute“, Installation,Videoinstallation, 2013

Wer den Hafen 2 betritt, bemerkt schnell das gerüstartige Gebilde links des Gebäudes. Es steht auf der Wiese, ein paar grob gesägte Dachlatten, und wirkt erst unfertig, gar formlos, bis man genauer hinsieht. Dann erkennt man die geometrischen Grundsätze, denen die Konstruktion folgt – es handelt sich um Rauten, ineinanderverschlungen, übereinandergelegt. Ein paar Schritte weiter - im Foyer - dort läuft auf einem Bildschirm ein Film, der die Dachlatten draußen als Symbol entlarvt, als Überbleibsel, als Verweis auf das Werk raute des Künstlerduos sternmorgenstern. Das ephemere Gebilde erstreckt sich über das Anwesen und macht es sich zu Eigen, skizzenhafte Konstruktionen lenken den Blick des Betrachters und verweisen auf konstruktive Muster und Strukturen der Architektur.

 
und:
 
 
Benedikte Bjerre und John Skoog
"Osthafen", 2013, Film 7:56 min
 
Benedikte Bjerre, 1987 in Kopenhagen (Dänemark) geboren, studiert seit 2009 in der Klasse von Simon Starling an der Städelschule. Ein Studium der Soziologie an der Universität Kopenhagen schloss sie 2011 als Bachelor ab. Sie ist Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes und wurde 2012 mit dem Stylepark-Preis des Städelschulrundgangs ausgezeichnet.

John Skoog, 1985 in Kvidinge (Schweden) geboren, schloss das Studium der Bildenden Kunst and der Städelschule 2012 als Meisterschüler von Simon Starling ab. Er nahm an zahlreichen internationalen Filmfestivals teil. 2011 wurde er mit dem Jurypreis des St. Petersburg Film Festivals ausgezeichnet, 2013 erhielt er den LICHTER Art Award.
 
 
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Die Ausstellungsreihe "Kunst im Hafen 2" ist freundlich unterstützt durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und die Kulturstiftung der Städtischen Sparkasse Offenbach am Main.
www.interim-projekte.net